Der verblüffende Unterschied zwischen Korrekturlesen und Lektorat

Korrekturlesen, Lektorat, Korrektorat und Redigat – wer soll sich da noch auskennen? Lass dich nicht verwirren, denn schließlich geht es um die wichtigste Arbeit deines Studiums. Beim Bachelorarbeit Korrekturlesen steht dir die Option eines Lektorats zur Verfügung: Den genauen Unterschied zwischen beiden Varianten erfährst du in diesem Artikel.

Als ich die erste Bachelorarbeit meines Lebens Korrekturgelesen habe, war ich selbst noch Student. Obwohl ich in der Schule immer meine Deutschaufsäzte vorlesen musste, zog ich auf der Uni die Schultern ein: So vieles gab es zu lesen und lernen, dass ich glaubte, mich ausgeben als Experte könnte ich vielleicht erst in zehn oder fünfzehn Jahren.

Falsch gedacht. Die Freundin der Freundin eines Freundes hatte ihre pädagogische Abschlussarbeit endlich fertiggeschrieben und suchte verzweifelt nach genau einem solchen Experten – sie brauchte jemanden zum Bachelorarbeit Korrekturlesen. Also einen Korrekturleser. Oder eben Lektor. Ein paar Chatnachrichten auf Facebook später habe ich, mehr durch fremde Mächte als eigene Initiative, den ersten Auftrag meines Lebens bekommen.

Natürlich war es eine Herausforderung für mich. Während ich selbst noch mit der mittelhochdeutschen Grammatik kämpfte, musste ich die Front zur Sprache der Gegenwart verlegen. Doch es machte auch Spaß, am Ende sagte sie hochzufrieden: „Vielen Dank für das Korrekturlesen!“, und drückte mir zum Lohn einen Amazon-Büchergutschein in die Hand. Damit ich Germanist auch einmal zum Lesen komme.

Eine Frage des Stils

Habe ich für ihre Arbeit über Unterrichtsmethoden in der Volksschule ein Korrekturlesen oder ein Lektorat durchgeführt? Antwort „A“ oder „B“? Bevor du wieder Prof. Google quälst, hier die Auflösung: Antwort „B“, um genau zu sein. Denn der entscheidende Unterschied zu „A“ ist folgender: Ein Korrekturleser verbessert in der Regel Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Tippfehler. Er bewegt sich somit an der Oberfläche des Textes und sorgt für eine tadellose Fassade, die dir das grundsätzliche Wohlwollen deines Professors beschert.

Ein Lektor hingegen arbeitet sowohl an der Textoberfläche als auch am Text selbst: Neben Beistrichen, die er an die richtige Stelle setzt, und den Tücken der Groß- und Kleinschreibung verbessert er den Stil und Ausdruck deiner Arbeit. Er bringt mehr Abwechslung in deine Wortwahl und schreibt, wo es nötig ist, sogar ganze Sätze um.

Aber, Achtung! Lektoren sind auch jene, die eine Vorlesung an einer Universität halten. Bitte nicht so verwirrt schauen.

Sich für ein Lektorat deiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit zu entscheiden, ist eine Frage des Stils. Und dieser ist wichtiger, als die meisten glauben. Wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben – Inhalt, Aufbau und Logik der Argumentation –, bewirkt der Stil den Unterschied zwischen „Bestehen“ und „Bestehen mit Auszeichnung“. Vor allem aber, wenn deine Muttersprache nicht Deutsch ist und es dir schwer fällt, die Feinheiten des deutschen Wissenschaftsausdrucks zu treffen, kann er noch größer ausfallen.

Was also sind Stilfehler, die dein Lektor – der Typ, den du noch seltener als den Lektor an der Uni zu Gesicht bekommst – typischerweise verbessert?

Der Klassiker: Wortwiederholungen

Wortwiederholungen in deiner Bachelor- oder Masterarbeit sind zwar nicht immer fehl am Platz, aber meistens zu vermeiden. Achte insbesondere darauf, Sätze nicht mit den gleichen Worten zu beginnen. „Die Bewertung der Kosten, Nutzen und Risiken erfordert eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Die Bewertung soll sowohl monetäre als auch nicht-monetäre Werte erfassen.“ Hier ganz einfach das entsprechende Pronomen (sie oder diese) als Platzhalter einsetzen.

Hilfreich ist auch, wenn du für die häufigsten Ausdrücke, die du im Laufe deiner Arbeit verwenden wirst, eine kleine Liste mit Synonymen anlegst. Ich spreche von Standardformulierungen wie: „Ein wichtiger/wesentlicher/zentraler Begriff/Terminus/Ausdruck ist … Zu seinen Merkmalen/Charakteristika zählen / Dazu gehören … / Darunter fallen … Die Forschungsfrage/Fragestellung/das Erkenntnisinteresse der Arbeit ist ….“ Usw. Bei den 15 Stilregeln des wissenschaftlichen Schreibens in meinem Praxisbuch über das Schreiben von Studienarbeiten habe ich eine solche für dich zusammengestellt.

Gescheiterte Gedichtversuche und andere Ausrutscher

Was stimmt nicht mit der folgenden Aussage aus einer Diplomarbeit in der Bildungswissenschaft? „In der Schule, wie wir sie heute kennen, herrscht noch immer der ewige Kampf um gute Noten in den Köpfen vieler Eltern und Schüler.“ Keine Rechtschreibfehler. Keine Grammatikfehler. Alle Beistriche an der richtigen Stelle.

Die Aussage ist also völlig in Ordnung – vorausgesetzt, du willst den Lyrikpreis 2017 gewinnen. Denn genauso klingt auch die Formulierung. Sie ist weit von dem sachlich-nüchternen Stil entfernt, der beim wissenschaftlichen Schreiben gefordert ist. Besser wäre: „In der heutigen Schule steht die Leistungsbeurteilung noch immer im Zentrum der Aufmerksamkeit von Eltern und SchülerInnen.“ Der Satz drückt zwar nicht zu 100% das Gleiche aus, entspricht aber dem Ton, in dem wissenschaftliche Texte gehalten sind.

Und was ist mit der folgenden Variante? „Die literaturwissenschaftliche Märchenforschung hat eine tolle Struktur- und Phänomenbeschreibung dieser Textarten geleistet.“ Auch hier würde ein Lektor das Gesicht verziehen. Das Wort „toll“ ist wertend und obendrein umgangssprachlich. In einer objektiven Darstellung hat es daher nichts verloren. Wenn du dennoch eine – sachlich berechtigte! – Beurteilung aussprechen willst, so sind Formulierungen wie „eine hilfreiche Beschreibung“ oder „eine aufschlussreiche Studie“ angezeigt.

(K)ein Satz wie der andere

„Die Firmen behaupten, dass das Outsourcing den Vorteil mit sich bringe, dass trotz höherer Kosten das Produkt schneller auf den Markt gebracht werden kann.“ Ich denke, dass du spürst, dass sich hier jemand auf der Geige verspielt hat. Schon hast du mit dem letzten Satz ein zweites Beispiel für diesen sprachlichen Missgriff: „mangelnde syntaktische Abwechslung“ lautet der Fachausdruck.

Statt zwei Nebensätze mit dem Bindewort „dass“ einzuleiten, bietet es sich an, für einen davon auf einen sog. „uneingeleiteten Nebensatz“ auszuweichen: „Die Banken behaupten, das Outsourcing bringe den Vorteil mit sich, dass trotz höherer Kosten das Produkt schneller auf den Markt gebracht werden kann.“ Voilá, schon jubelt das Professorenherz.

Weitere syntaktische Serienverbrechen finden man bei den Satzkonstruktionen: Wenn du immer wieder im Verbalstil schreibst, deine Aussagen also in Verben wiedergibst, so wechsle hin und wieder in den Nominalstil. Der Verbalstil drückt, wie gesagt, Handlungen und Zustände in Verben aus: erläutern, untersuchen, vergleichen. Der Nominalstil dagegen nutzt Nominalisierungen, also die Umwandlung von Verben in Nomen: eine Erläuterung geben, eine Untersuchung durchführen, einen Vergleich anstellen. Statt also nach dem x-ten Satz im Verbalstil zu schreiben: „Das nächste Kapitel erläutert das Kommunaldolmetschen“, entscheide dich lieber für: „Im nächsten Kapitel findet sich eine Erläuterung des Kommunaldolmetschens wieder.“

Diese syntaktischen Formfehler gehören übrigens schon zum höheren Niveau der Stillehre. Der Lektor deines Vertrauens weiß, was zu tun ist.

Wenn du also mehr als ein bloßes Korrekturlesen haben und deine Arbeit sprachlich auf Hochglanz bringen willst, dann fülle JETZT mein Kontaktformular aus, und ich werde mich mit einem konkreten Lektoratsangebot bei dir melden.

Quelle: https://www.amazon.de/Wissenschaftliche-Arbeiten-endlich-fertigschreiben-Bachelorarbeit-ebook/dp/B01ATZINY0/ref=sr_1_15?ie=UTF8&qid=1504020196&sr=8-15&keywords=bachelorarbeit+schreiben

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  1. […] Korrekturlesen durch ein zusätzliches Lektorat  noch obendrein verbessert wird, wie ich in einem anderen Artikel beschrieben habe. Und nein, das bedeutet nicht, so „hochgradig verwickelt“ wie in diesem […]

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