Die verblüffende Lernmethode des “Tu-ein-bisschen-was-Prinzips”

Lernen ist leicht, sich zum Lernen hinzusetzen schwer. Trotz Null Bock auf Lernen kannst du dich dennoch austricksen und dir ganz leicht die nötige Motivation verschaffen: durch die Lernmethode des Tu-ein-bisschen-was-Prinzips. Ein gewöhnlicher Trick mit einer ungewöhnlichen Wirkung.

„Oje, wie soll ich das jemals alles lernen?“

Kaum hast du dich in die Bibliothek gesetzt und die erste Seite in deinem Skript für die Prüfung aufgeschlagen, schon würdest du am liebsten wieder deine Sachen aus dem Spind holen und gehen. Du lässt deinen Blick durch die Tischreihen wandern, wo die anderen bereits vor ihrem Laptop sitzen und in die Tasten hauen oder zerfledderte Zettel mit rosa Farbe bemalen.

“Warum nur, warum sind alle so fleißig, nur ich nicht? Oder tun die etwa nur so?”

Da du noch genügend Zeit hast, kramst du erstmal dein Handy aus der Tasche und schaust „kurz auf Facebook“. Ziellos scrollst du den Newsfeed hinunter und lächelst über stimmige Zitate und Kätzchen, die zu klassischer Musik tanzen. Aber es hilft nichts, du musst dich doch wieder deinen Unterlagen zuwenden. Bevor du dich jedoch zum Lernen zwingst, freust du dich über ein wohlvertrautes Geräusch, das dir eine Gnadenfrist gewährt: Ein neues Chatfenster springt auf, und du lässt dich zu einem Kaffee in der Mensa überreden.

“Warum denn nicht? Es ist doch nur für ein paar Minuten …”

Nachdem du wieder an deinen Platz zurückgekehrt bist, haben sich deine Aussichten auch nicht gerade gebessert – dafür ist schon fast eine Stunde vergangen. Nach einer Handvoll Seiten bereits hisst du die weiße Fahne und beginnst dich selbst zu hassen: Du hast nicht einmal die Hälfte dessen gelernt, was du dir eigentlich vorgenommen hast. Aber wie denn auch? Wie hättest du „das alles“ schon lernen können?

Das Tu-ein-bisschen-was-Prinzip

Motivation scheint wie gutes Aussehen zu sein: Man hat es eben oder man hat es nicht. Es gibt Tage, da gelingt es dir problemlos, die Motivation zum Lernen zu finden. Zwei Tage vor dem Prüfungstermin etwa oder wenn das trübe Wetter dir ohnehin keine Alternativen lässt. Und dann wiederum gibt es Tage, an denen du dich fragst, warum um alles in der Welt du dich gerade für dein Studium entschieden hast.

Ganz so machtlos, wie du dich oft fühlst, bist du aber nicht. Die Motivation, um die du andere beneidest: Sie ist leichter zu finden, als du denkst.

Du willst endlich das Skript für deine Prüfung durchhaben? Du willst endlich das Buch lesen, das dir von deiner Leseliste anstarrt? Du willst dich endlich im Griff haben und dich konsequent motivieren können?

Dann wende das „Tu-ein-bisschen-was“-Prinzip an, das ich auch in meinem Buch “Studieren mit Grips” beschreibe. Oder besser gesagt: Wende es zu deinem Gunsten an! Aber was besagt dieses Prinzip? Und wie kommt es, dass du es bereits benutzt, ohne es zu wissen – meistens zu deinem Nachteil? Wie kannst du, indem du „ein bisschen was tust“, ähnlich wie beim Speed Reading, Berge von Büchern und Stapel von Skripten verkleinern? Wie kannst du dir deine tägliche Dosis Motivation spritzen, ohne dich strafbar zu machen?

Den ersten Dominostein anstoßen …

Spielen wir noch einmal die Standardsituation durch, und du wirst sehen, wie das „Tu-ein-bisschen-was“-Prinzip funktioniert – und wie es meistens gegen dich arbeitet.

Das Problem ist folgendes: Du schaust nur „kurz auf Facebook“ – und trotzdem bleibst du länger in den blauen Seiten kleben, als du ursprünglich geplant hast. Du triffst dich „nur auf einen Kaffee“ und der Tratsch und Klatsch zieht sich übermäßig in die Länge. Und ich kenne niemanden, der nicht auch einmal „nur auf ein Bier“ oder „nur auf einen Spritzer“ gehen wollte, am nächsten Morgen aber mit einem Riesenkater wieder aufgewacht ist.

Eine kleine Handlung, die wir setzen, führt unweigerlich zum nächsten Schritt und verstärkt unsere Motivation, in die gleiche Richtung weiterzugehen.

Wer sich zu einem einzigen Getränk überreden lässt, unterschätzt, wie hoch die Chance gestiegen ist, dass daraus noch ein zweites oder drittes wird: Denn sobald du das erste Glas geleert hast, bist du bereits in ganz anderer Stimmung, als du warst, bevor du außer Haus gegangen bist. Sobald du dich nur kurz auf Facebook eingeloggt hast, weißt du nicht, was dich in der Welt der virtuellen Freunde alles gefangen nehmen kann – von News, an denen du hängen bleibst, sinnlosen Videos, die dir empfohlen werden, oder PN’s, die in deinem Briefkasten landen und ein langes Hin und Her anstoßen.

Für gewöhnlich glauben wir, zuerst kommt die Motivation, dann folgt die Handlung. Du glaubst, wenn du keine Lust auf Lernen hast, dann hat es auch keinen Sinn, dich hinzusetzen und es zu tun. Aber es geht auch umgekehrt: Indem du etwas tust, indem du nur einen kleinen Schritt setzt, merkst du plötzlich, dass auch deine Motivation nicht mehr dieselbe ist. Folgendes Diagramm macht dies deutlich:

Tu ein bisschen was Prinzip Motivationskette

Die Motivation beeinflusst die Handlung, doch auch die Handlung kann die Motivation beeinflussen. Motiviere dich also, indem du die gewünschte Sache tust!

Wenn du dich trotz mangelnder Motivation dazu bringen kannst, eine Seite in deinen Prüfungsunterlagen aufzublättern und nur „ein bisschen was zu tun“, gewinnst du auf einmal die Oberhand, und du wirst sehen, dass du mittendrin sein und so schnell nicht wieder aufhören wirst.

Wenn du dich vor den Computer setzt, um deine Seminararbeit zu schreiben, statt sie wieder und wieder auf morgen zu verschieben – wenn du dir vornimmst, zumindest eine Seite zu tippen – dann hast du den inneren Schweinehund schon im Schwitzkasten: Sobald du beim letzten Wort angelangt bist, wirst du merken, wie viel leichter es dir auf einmal fällt, noch eine zweite Seite zu schreiben oder eine dritte. Aus dem kleinen Bisschen ist mehr geworden, als du je gehofft hättest!

Entscheide dich dazu, 15 Minuten lang zu lesen, zu lernen oder was auch sonst auf deiner To-Do-Liste steht zu tun, und beobachte, was mit dir passieren wird.

Vom Prinzip zur Anwendung: Tu nur ein bisschen was!

Damit du die Probleme mit deiner Motivation also in Zukunft in den Griff bekommst, damit nicht mehr deine Laune darüber entscheidet, ob du deinen Tag sinnvoll nützt oder zum Fenster hinauswirfst: Wende ab jetzt das Tu-ein-bisschen-was-Prinzip an.

Sage dir: „Ich tue nur ein bisschen was. Ich schreibe 1 Seite an meiner Arbeit.“

Motiviere dich zum Lernen und sprich: „Ich tue nur ein bisschen was. Ich lerne 15 Minuten für meine Prüfung.“

Oder wenn du mehr Sport treiben willst: „Ich tue nur ein bisschen was. Ich gehe 1 Kilometer Laufen.“

3:0 für dich! Sobald du das Dokument für deine Arbeit vor dir offen hast und die ersten Zeilen tippst, hast du schon gewonnen! Sobald du deine Unterlagen aufgeschlagen und mit dem Lernen begonnen hast, ist dein Sieg schon in greifbarer Nähe. Und was ist schwieriger, wenn du in deinen Laufschuhen steckst und deine erste Runde drehst: wieder zurücklaufen oder einfach weitermachen?

„Ich muss also nur den Fuß in die Tür kriegen?“.

Genau, und dann wirst du sie auch aufstoßen und durch sie hindurchgehen können. Probiere es aus, und du wirst überrascht sein, wie ein kleines Bisschen dafür sorgen kann, dass du die größten Brocken aus dem Weg schaffst, die zwischen dir und einem Tag stehen, auf den du zufrieden zurückschauen kannst.

Probiere es JETZT aus. Setze dich hin und krall dir ein Buch von deiner Leseliste. Oder setz dich hin und nimm deine Unterlagen für die Prüfung heraus. Wende das Prinzip an, und du wirst nicht mehr nur davon wissen, sondern es verstehen.

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  1. […] einen Motivationsschub bemerkt haben. Ohne es zu wissen, hast du etwas angewendet, das ich das „Tu-ein-bisschen-was“-Prinzip nenne. Dieses Prinzip kannst du dir jedes Mal zunutze machen, wenn du von der Prokrastination in die […]

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