Das Lektorat deiner Bachelorarbeit: 3 einfache Methoden zur Bekämpfung der Betriebsblindheit

Wer beim Lesen eines frisch gedruckten Textes selbst offensichtliche Fehler übersieht, leidet an der klassischen Betriebsblindheit. Sie kann bei deiner Bachelor- oder Masterarbeit den Unterschied zwischen Bestehen oder Nicht-Bestehen ausmachen. Welche drei einfachen Methoden dir helfen können, das Problem der Betriebsblindheit zu bekämpfen, erfährst du in diesem Artikel.

Kein Mensch, und sei er noch so ein großes Deutschgenie, kann von sich behaupten, absolut fehlerfrei zu schreiben. Selbst erfahrene Journalisten und Schriftsteller stoßen beim Durchlesen ihrer Werke häufig auf Fehler, über die sie nur den Kopf schütteln können. Wenn wir die Möglichkeit hätten, das Lektorat für sie zu übernehmen und einen Blick in ihre Rohfassungen zu werfen, würden wir uns genauso wundern.

Beim Schreiben deiner Bachelor- oder Masterarbeit musst du Fehler aber nicht nur tolerieren – du musst davon ausgehen, dass sie passieren werden. Und das ist auch völlig in Ordnung. Ernest Hemingway hat einmal geschrieben: „Der erste Entwurf muss nicht perfekt sein. Er muss nur geschrieben werden.“

Doch sobald du die letzten Worte deines Resümees fertiggeschrieben hast, taucht schon das nächste Problem auf dem Radar auf: Vom vielen Schreiben bist du betriebsblind geworden.

Selbst wenn du noch so aufmerksam liest, übersiehst du Fehler, die dir bei anderen sofort ins Auge springen würden. Dies habe ich auch schon bei den „4 Gründen für ein Lektorat“ und in meinem Buch „Wissenschaftliche Arbeiten endlich fertigschreiben!“ erklärt.

Die Zeit, die du zum Korrekturlesen investierst, beginnt völlig auszuufern. Ein großer Vorteil, wenn morgen schon die Abgabe ansteht. Nicht wahr?

Wie also kannst du selbst gegen das Problem der Betriebsblindheit systematisch vorgehen?

1. Aus der Ferne liest es sich leichter.

Betriebsblindheit entsteht, weil du deinem selbstgeschriebenen Text gegenüber nicht objektiv genug bist. Wenn du sichergehen willst, dass du deine Arbeit nicht umsonst korrigierst, dann ist der wichtigste Schritt, zunächst einmal Distanz zu schaffen. Und einer der einfachsten Wege, sich zu entfernen und von der eigenen Befangenheit zu lösen, führt über die Zeit.

Ja, ich spreche von dem Ratschlag, den alle schon einmal gehört haben, aber die Wenigsten befolgen:

Lass den Text, sobald du den letzten Punkt gesetzt hast, einfach eine Zeit lang ruhen.

Ich weiß, das kann dich Überwindung kosten. Zwinge dich aber dazu, das Dokument erst wieder zu öffnen, nachdem zumindest zwei oder drei Tage verstrichen sind.

Du wirst sehen: Sobald du etwas Abstand gewonnen und den Kopf frei bekommen hast, liest du deinen Text mit anderen Augen. So wie andere ihre Wutanfälle in den Griff bekommen, indem sie einfach zehn Sekunden lang durchatmen, kannst du dich von der Betriebsblindheit lösen, wenn du dir einfach ein paar Tage Pause gönnst. Deine Fehlerfindungsquote wird signifikant steigen.

Für diese Vorgehensweise musst du natürlich rechtzeitig vor deiner Deadline fertigwerden, also einen entsprechenden Puffer beim Schreiben einplanen.

Läuft dir dagegen die Zeit davon, dann hast du noch zwei andere Möglichkeiten.

2. Die Red-Pen-Methode

Das ist die Old-School-Methode, auf die Schriftsteller wie Stephen King (siehe sein autobiographisches Lehrwerk: On Writing) und andere sich eingeschworen haben.

Bei dieser Variante kannst du sofort mit der Verbesserung loslegen. Du druckst deine Arbeit einfach aus und korrigierst sie auf dem Papier.

Du wirst sehen: Es ist ein großer Unterschied, ob du deine Verbesserungen direkt in Word oder in einem anderen Programm am Computer vornimmst oder eben auf ausgedruckten Seiten. Denn wenn du deine Arbeit physisch in Händen hältst, hast du plötzlich den Eindruck, die eines anderen zu lesen.

Ein klarer Sieg gegen die Betriebsblindheit.

Der wesentliche Punkt bei dem Vorgehen ist, dass du in einem anderen Format korrigierst, als du geschrieben hast. Anders ausgedrückt: Handgeschriebene Arbeiten tippe in den Computer, um so ja keine Fehler zu übersehen. Dokumente, die am PC entstanden sind, musst du dagegen ausdrucken und klassisch analog korrigieren.

Ich nehme an, deine Bachelorarbeit ist nicht auf einem Briefkuvert entstanden … also, verwende am besten einen Rotstift, um die Fehler deutlich zu markieren. Das ist das ganze Geheimnis der Red-Pen-Methode.

Auch bei dieser Variante solltest du zeitliche Ressourcen einplanen: Schließlich musst du die Korrekturen noch ins Dokument einpflegen, vielleicht sogar zur nächsten Druckerei rennen, wenn deine Arbeit besonders lang oder die Tinte wieder einmal leer geworden ist.

Was also tun, wenn es buchstäblich kurz vor Zwölf ist?

3. Verändere die Schriftart, verändere den Text

Das klingt fast wieder zu einfach, aber aus eigener Erfahrung kann ich dir versichern: Es funktioniert!

Fester Bestandteil meiner Arbeitsroutine als selbstständiger Lektor für wissenschaftliche Abschlussarbeiten ist es, mir jeden Text, bevor ich ihn absende, ein zweites Mal gründlich durchzulesen. Nach der letzten Durchsicht spüre auch ich schon erste Anzeichen von Betriebsblindheit.

Aus Prinzip verändere ich dann zwar nicht die Schriftart, aber zumindest den Seitenzoom (z.B. von 100 auf 120%). So entsteht der Eindruck, als wäre plötzlich der Text ausgetauscht. Aus praktischen Gründen ist das beim professionellen Korrekturlesen einfacher.

Bei deiner eigenen Arbeit aber wechsle unbedingt die Schriftart, denn so nutzt du diesen Entfremdungseffekt maximal aus.

Wenn du also eine Arbeit in Times New Roman (12 Pkt.) verfasst hast, stelle die Schriftart Arial (12 Pkt.) oder Verdana (12 Pkt.) ein.

Wichtig ist, ein gut lesbares Format zu wählen, keine ausgefallenen Schriften wie Calibri, oder noch schlimmer, Windings. 😉 Das Ziel ist nicht, deine kryptographischen Fähigkeiten zu trainieren, sondern deinen Text optisch so weit zu verändern, dass du alle Fehler finden, ihn aber trotzdem noch gut lesen kannst.

Aber ich habe keine Zeit und möchte mich nicht mit Korrekturen herumschlagen!

Du hast weder die Zeit noch die Geduld, gegen die Betriebsblindheit ins Feld zu ziehen und deine eigene Arbeit mit Hilfe der genannten Methoden zu verbessern?

Du willst sie lieber einem erfahrenen Profi anvertrauen, der nicht nur die Rechtschreib-, Grammatik-, Zeichen- und Tippfehler korrigiert, sondern auch Stil und Ausdruck in Hochform bringt? Jemandem, der schon über 900 wissenschaftliche (Abschluss-)Arbeiten lektoriert hat?

Dann sende mir einfache eine Anfrage über das Kontaktformular, und ich werde mich mit einem konkreten Angebot für das Lektorat deiner Bachelor- oder Masterarbeit bei dir melden.

Bis dahin wünsche ich viel Spaß bei der fröhlichen Fehlersuche! 😛

Quellen: 

https://www.amazon.de/Writing-Memoir-Craft-Stephen-King/dp/1439156816/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1503684617&sr=8-1&keywords=stephen+king+on+writing

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